Festrede
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich bin dankbar, dass unser 1. Vorsitzender Dr. Winfried Küsel in der Begrüßung unsere heutigen Ehrengäste namentlich bereits genannt hat. Zum einen, weil dies selbstverständlich dem Anlass eines solchen Jubiläums gerecht wird und unsere Freude, dass Sie alle anwesend sind, zum Ausdruck bringt, zum anderen aber, weil ich eigentlich ganz anders – nämlich wie folgt – anfangen möchte:
Liebe Vereinskameradinnen und Vereinskameraden vom Sportclub Ludwigsburg, sehr geehrte Gäste,
ich habe das Motto der Festrede unter den Oberbegriff „Der Sportclub Ludwigsburg – ein besonderer Verein“ gestellt. Warum ? – Jeder Verein ist doch für sich etwas Besonderes und wird auch so von seinen Mitgliedern zu Recht empfunden. Trotzdem, auf Grund seiner eigenen Geschichte, hatte der Sportclub einen langen, beschwerlichen und – einen besonderen – Weg zu beschreiten.
Hierzu ist vor allem die Anfangsphase des Vereins näher zu beleuchten. Wie es sich bei einem solchen Jubiläum auch gebührt, lassen Sie uns 50 Jahre und sogar noch ein bisschen weiter zurückblicken.
Neue Heimat
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ließ wenig Gedanken an eine organisierte sportliche Betätigung zu. Ohne näher auf die Auswirkungen des Weltkriegs hier eingehen zu wollen, sind doch Aspekte zu nennen, die einen wesentlichen Einfluss auf die Vereinsgründung hatten.
Zum einen haben sehr viele Menschen ihre alte Heimat im Osten und
Südosten Europas verloren und kamen durch Flucht in die
entstehende Bundesrepublik Deutschland, in eine Region, die schon
lange sehr dicht besiedelt war. Dieser Siedlungsdruck traf zusammen
mit einer wirtschaftlichen Situation, die vollständig am Boden
lag.
Dass so etwas – mindestens – zu sozialen Spannungen führen
kann, hat sich in der Weltgeschichte leider schon mehrfach bestätigt.
Als Resultat hieraus haben die „alteingesessenen Deutschen“ und die
verschiedenen Volksgruppen aus dem Osten zunächst nebeneinander
hergelebt. Die zugezogenen Menschen hatten anfangs nur geringe
Integrierungsmöglichkeiten. Man blieb unter sich, half sich
gegenseitig und pflegte heimatliche Bräuche, Lieder, Tänze
und sonstige kulturelle Errungenschaften.
Sicher kam hinzu, dass vor
allem die Älteren noch lange Zeit in der Hoffnung lebten, wieder
in ihre angestammte Heimat zurückkehren zu können.
Eine dieser Landsmannschaften, die sich im Großraum Stuttgart
niederließ, waren die Donauschwaben, die aus sehr ländlich
geprägten Gegenden des heutigen Serbiens, Kroatiens und Ungarns
in den dicht besiedelten Stuttgarter Raum gekommen sind.
Die
Unsicherheit im neuen Lebensumfeld, aber auch der Wunsch und die
Hoffnung, wieder „nach Hause“ zurückkehren zu können,
band diese Menschen sehr eng zusammen.
Es entstand eine
donauschwäbische Landsmannschaft, die insbesondere kulturelle
Bräuche pflegte und sich in sportlicher Hinsicht zunächst
auf Gymnastik und Tanz beschränkte.
Der mit viel Dynamik entstehende wirtschaftliche Aufschwung erfasste dann
bald alle Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Die
Arbeitslosigkeit nahm rapide ab und gleichzeitig wuchs auch die
Lebensqualität und der wirtschaftliche Spielraum der Menschen.
Durch gemeinsame Arbeitsplätze, aber auch im privaten Leben,
integrierten sich die zugewanderten Volksgruppen zunehmend und vor
allem die Jüngeren wurden neugierig auf das neue Leben und die
Zukunftsmöglichkeiten.
Nicht zuletzt durch den Sieg bei der
Fußballweltmeisterschaft 1954 wurde das „Wir-Gefühl“
immer stärker und der Fußball gesellschaftsfähig. Die
jungen Donauschwaben wollten diesen Sport auch betreiben und nicht
nur unter sich, sondern im Wettkampf mit den anderen Ludwigsburger
Vereinen.
Ein von den jungen Männern gerne mitgenommener
Nebeneffekt war, dass man so die sonntäglichen
Kulturveranstaltungen mit Volkstanz umgehen konnte.
Der donauschwäbische Sport- und Kulturverein
Meine Damen und Herren, am 5. Februar 1955 machten die Donauschwaben Nägel
mit Köpfen – sie gründeten den donauschwäbischen
Sport- und Kulturverein DSKV Ludwigsburg. Die Mitgliederzahl wuchs
sehr schnell an, eine Jugend wurde aufgebaut und erste Erfolge
stellten sich ein – schon bald konnte man den Stadtpokal gewinnen.
Der sudetendeutsche Sportverein
Einen etwas anderen Werdegang erlebten die Sudetendeutschen in Ludwigsburg.
Die Integration gelang hier etwas schneller, vor allem, da sich die
jungen Fußballinteressierten frühzeitig der
Juniorenabteilung der Sportvereinigung 07 Ludwigsburg anschlossen und
dort ihren Spielbetrieb aufnahmen.
Im Jahr 1957 kam es dann zum
Streit mit dem Mutterverein – wegen Reisespesen i.H.v. 3,-- DM.
Dies führte dazu, dass die jungen Sudetendeutschen die
Sportvereinigung 07 verließen und den sudetendeutschen
Sportverein SSV Ludwigsburg gründeten. Für viele hatte dies
aus heutiger Sicht drakonische Konsequenzen; einige junge Fußballer
wurden mit Sperren von einem Jahr durch den Fußballverband
belegt. Trotzdem war auch der Erfolg der SSVler nicht mehr
aufzuhalten.
Beide Vereine, DSKV und SSV, spielten erfolgreich in der
B- und C- Klasse und hatten enorm viele Zuschauer. Als dann beide
Vereine bei einem Relegationsspiel in Markgröningen aufeinander
trafen, fand dieses Spiel vor sage und schreibe 2.100 Zuschauern
statt.
Eine weitere Besonderheit ist beim SSV anzumerken: Während
die Donauschwaben überwiegend auf den Fußball fixiert
waren, waren die Sudetendeutschen auch verstärkt durch
Landsmannschaften aus Schlesien und Sachsen breiter aufgestellt. Von
Anfang an gehörte eine Turnabteilung dem Verein an und im Jahr
1960 wurde dann eine Schützenabteilung gegründet, die viele
Jahre ein wichtiger Pfeiler des späteren SCL darstellte und dies
immer noch ist. Die Tischtennisabteilung ging ebenfalls aus dem SSV
hervor und die heutige Gymnastikabteilung wurde 1961 aus der
Turnabteilung des SSV aus der Taufe gehoben.
Unruhe beim DSKV
1961 gab es dann Unruhe beim DSKV. Fehlende Finanzmittel und der Austritt
vieler ungarisch-stämmiger Spieler führten zur Krise. Auch
hatte man erkannt, dass man die gewünschte Öffnung für
alle, die der Verein immer angestrebt hat und anstrebt,
besser erreichen kann, wenn man einen weniger verbindlichen
Vereinsnamen trägt. Die Mitgliederinnen und Mitglieder des DSKV
einigten sich auf den neuen Vereinsnamen Sportfreunde SF Ludwigsburg.
Suche nach Sportstätten
Das größte Problem, welches dann glücklicherweise in den
folgenden Jahren sukzessive gelöst werden konnte, wenn auch noch
nicht abschließend, ist die Suche nach einer sportlichen
Heimat. Man wollte adäquate Sportstätten zur Verfügung
haben.
Die Gymnastikabteilung hatte in der Turnhalle des
Goethegymnasiums ihre Heimat bis heute gefunden, jedoch mussten die
Schützen zum Kleinkaliberschießen nach Erdmannhausen und
zum Luftgewehrschießen nach Neckarweihingen und nach Asperg in
eine alte LKW - Garage.
Die Fußballer reisten von einem
benachbarten Verein zum anderen, hatten ein Hauptspielfeld dort, wo
heute die Eishalle steht, und durften hin und wieder im
Ludwig-Jahn-Stadion spielen. Mit Sack und Pack musste man zu den
Spielen fahren, Bälle, Eckfahnen und sonstiges Gerät immer
im Gepäck.
Die Fusion: Gründung des SCL
Eine wichtige Rolle kam in dieser Phase der Stadt Ludwigsburg zu, die
kontinuierlich die Sportfamilie der Stadt aufbaute und auch diesen
jungen Vereinen ihre Unterstützung zusagte. Aber wir kennen das
Thema alle – schon damals gab es die aus Sicht der Stadt
nachvollziehbare Betrachtungsweise, die verfügbaren Fördermittel
effizient und gebündelt einzusetzen.
Das Zauberwort „Fusion“
gab es auch damals schon. Zur Verbesserung der eigenen Position und
Situation wuchs auch bei den Sudetendeutschen die Überzeugung,
sich von dem landsmännischen Vereinsnamen zu lösen.
Dies
alles hat schließlich die Mitglieder beider Vereine in großem
Einvernehmen dazu bewegt, 1963 den Sportclub Ludwigsburg – unseren
SCL – durch Fusion zu gründen.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass sich der SCL sinnvollen sportlichen und sportpolitischen Zielen nicht verschließt, wenn er – wie gesagt – einen Sinn erkennen kann. Insofern, meine ich, haben wir bereits eine Fusion als Pluspunkt für uns zu verbuchen.
Der junge SCL hat in den 60er Jahren dann immer mehr Zulauf aus allen
Bevölkerungsgruppen und –schichten erhalten, vor allem der
Anteil der ausländischen Bevölkerung stieg auf Grund der
wirtschaftlichen Entwicklung immer mehr an und auch diese
Sportlerinnen und Sportler waren und sind beim SCL gut aufgehoben.
Erste sportliche Heimat: Das Schützenhaus im Osterholz
Im Jahr 1965 gelang dann ein erster wichtiger Erfolg bei der Suche nach
der sportlichen Heimat: Die Schützenabteilung durfte auf einem
Grundstück im Osterholz – auf Asperger Gemarkung – ihr
Schützenhaus errichten.
Nun war es erstmalig möglich, sich
auf eigenem Gelände sportlich zu betätigen und zunehmend
lästige Abhängigkeiten abzulegen. Aber nicht nur das: Das
Schützenhaus wurde zu einem Mittelpunkt des Vereinsgeschehens,
auch für Mitglieder anderer Abteilungen.
Nachdem ich jetzt
selbst nicht mehr nur auf das Hörensagen angewiesen bin, sondern
selbst Erlebtes mit einbringen kann, erinnere ich mich sehr gerne an
die Sonntag Vormittage im Osterholz. Während die Älteren
hier ihren Frühschoppen einnahmen, hatten die Kinder eine Menge
Spaß auf dem großen Waldspielplatz Osterholz und mit den
dortigen US-Militäranlagen zudem ein spannendes Umfeld.
Sportliche Erfolge und eine neue Abteilung
Die Schützenabteilung profitierte von dieser Entwicklung so stark, dass sie sich selbst im Angebot verbreiterte und 1967 die Bogenschießsparte gründete, nicht ahnend, dass diese viele Jahre lang das Aushängeschild des SCL sein wird.
Auch die Spiele der Fußballer im großen Stadion waren besondere Erlebnisse, übrigens spielte der SCL in den 60er Jahren zeitweise nur 2 Klassen tiefer als die Schwarz-gelben. Es wäre schön, wenn dieser Zustand mal wieder erreicht werden könnte – natürlich im Sinne beider Vereine auf hohem Niveau - versteht sich.
1968, wurde die Tennisabteilung gegründet, ein Sport, der damals noch ein
bisschen ein Dornröschendasein fristete. So mussten die neuen
Mitglieder ihre Spiele auf Schulhöfen und in Turnhallen
austragen.
Ein Hartplatz für die Fußballer
Und dann kamen auch die Fußballer zu ihrer Sportanlage. 1970 wurde
der Sportplatz im Stadiongelände an der Brünnerstraße
übergeben. Ein Hartplatz zwar nur, aber das war damals völlig
gleichgültig. Auch die langen beschwerlichen Wege bis hinunter
zum Berliner Platz zum Umkleiden waren egal. Man hatte einen
Sportplatz – die langersehnte sportliche Heimat.
Und was lag näher,
als sich jetzt auch ganz schnell ein Vereinsheim zu bauen. Zwei Jahre
später, 1972, hatte das Herumreisen von Gaststätte zu
Gaststätte in Ludwigsburg ein Ende – das kleine
SC-Vereinshäusle war fertig und wenig später entstand auch
noch ein kleiner Tribünenbau am Sportplatz.
Dieses Vereinsheim
war Mittelpunkt der Fußballabteilung über mehr als 10
Jahre, für Jung und Alt. Es hatte vor allem in den Nächten
von Freitag auf Samstag auch seinen festen Platz im Ludwigsburger
Nachtleben.
Zuschauerrekord
In diese Zeit fiel auch die größte Zuschauerzahl, die der SC
jemals erlebt hat. Ca. 25.000 Zuschauer füllten das SC-Gelände,
leider aber nicht, um den SCL Fußball spielen zu sehen, sondern
um ein mehrtägiges Rockkonzert zu verfolgen, u.a. Ike und Tina
Turner und Nazareth spielten auf. Man muss leider aber auch sagen,
dass der Sportplatz im Anschluss für mehrere Monate nur
eingeschränkt bespielbar war, da noch lange Zeit diverse
Utensilien, die für manchen Zeitgenossen ein Konzert erst zu
einem „Event“ werden lassen, das Sportgelände verzierten.
Ein bisschen Unverständnis gab es damals beim SCL schon, dass
ein ganz neuer Sportplatz für einen solchen Zweck herhalten
musste.
Ausbau der sportlichen Anlagen: ein Bogenplatz und Sandplätze für die Tennisabteilung
Meine Damen und Herren, Sie erkennen an meinen Ausführungen zu den Themen „Schützenhaus – Vereinsheim –Sportanlagen“, dass mit Nachdruck alle im Verein danach trachteten, gleiche Wettkampfchancen wie die anderen Vereine und vor allem ein Zuhause zu finden.
1976 wurden hierzu weitere Meilensteine gelegt: Die Schützenabteilung
durfte einen wunderschönen Bogenplatz im Osterholz – leider
auch auf Asperger Gemarkung – einweihen. Dieser Platz hat bis heute
zahlreiche tolle Sportveranstaltungen gesehen.
Durch die vollständige
Einrahmung durch hohen Baumbewuchs bietet er für die
Schießsportler eine sehr angenehme Atmosphäre und für
alle die gleichen guten Wettkampfbedingungen.
Ebenfalls 1976 konnte
die Tennisabteilung drei Sandplätze in ihr Eigentum übernehmen.
Die Plätze wurden unmittelbar neben dem Fußballbereich im
Stadionsportpark angelegt, so dass die Abteilungen Fußball und
Tennis räumlich verbunden waren. Sehr schnell wurde die Anlage
dann auf sechs eigene Plätze erweitert, die man auch heute noch
im Besitz hat.
Das große Vereinsheim
Diese ganze Entwicklung war für die einzelnen Abteilungen sehr schön,
hat aber nicht unbedingt immer zur Integration und zum
Zusammengehörigkeitsgefühl des Gesamtvereins beigetragen.
Ein großes gemeinsames Vereinsheim mit Speisegaststätte
und Kegelbahnen – das war der Traum vieler, aber nicht aller
Mitglieder des SCL.
So kam es, wie es kommen musste, wenn sich SCLer
was in den Kopf setzen: Die Jahreshauptversammlung 1979 des
Gesamtvereins in der Kaiserhalle in Ludwigsburg verlief sehr
interessant und spannend. Fußballer als starke Befürworter
des großen Vereinsheims trafen auf die Tennissportler, die eine
kleinere Lösung anstrebten. Man war sich einig darüber,
dass Umkleidemöglichkeiten sowohl für Fußball und
Tennis nahe an den Sportstätten errichtet werden sollten, aber
darüber hinaus gab es keinen Konsens.
Beide Abteilungen
mobilisierten ihre Mitglieder und es kam zu einer sehr langen
Versammlung, in der sehr kontrovers diskutiert wurde.
Als es zur
Abstimmung kam, wurde sogar die demokratische Wahlmethode des
Hammelsprungs angewendet. Trickreicher waren die Fußballer:
einige Mitglieder hatten sich schon ermüdet von den langen
Verhandlungen in den Thekenbereich der Gaststätte zurückgezogen
und wurden zur Abstimmung wieder in den Versammlungsraum
zurückgeschoben oder –gezogen.
Das Ergebnis war eine knappe
Entscheidung für die „große“ Vereinsheimlösung
mit Speisegaststätte, Umkleidetrakt Tennis und Fußball und
Kegelbahnen. In über zweijähriger Bauzeit wurde dieses
Vereinsheim gebaut. Es war klar, dass die finanzielle Belastung enorm
sein würde und auch heute ist das Thema noch nicht ganz vom
Tisch.
Mit großem Elan stürzten sich die Mitglieder,
zunächst in breiter Front, später in Form eines harten
Kerns, in die Arbeiten. Im Herbst 1982 war dann der Bau
abgeschlossen, die neue Vereinsgaststätte wurde eingeweiht.
Dass
es dann noch über ein Jahr dauerte, bis auch die Umkleideanlagen
fertig waren, lag sicher mit daran, dass nach der ermüdenden
Bauphase bei Einigen der Sitzplatz am Stammtisch attraktiver war als
im noch nicht fertiggestellten Sporttrakt handwerklich tätig zu
werden. Aber auch der Umkleidebereich war dann schließlich
fertiggestellt und wurde von allen begeistert aufgenommen.
Eins aber, und das möchte ich an dieser Stelle ganz besonders erwähnen, zeugt vom Vereinsverständnis aller Mitglieder. Natürlich, ich habe es bereits angesprochen, gab es auch eine Ablehnung gegen das Vereinsheim, überwiegend bei der Tennisabteilung aber auch darüber hinaus. Die dortigen Argumente waren sicher in jedem Fall genauso berechtigt und wurden auch mit Nachdruck vertreten. Aber, als die Entscheidung gefallen war, zogen alle Mitglieder an einem Strang, standen hinter der gemeinsamen Entscheidung und das ist auch noch heute so. Die würdige Einweihung des Gesamtkomplexes fand Anfang Juni 1983 statt. Alle Abteilungen beteiligten sich, im Vordergrund stand aber der Fußball. Eingerahmt durch den Stadtpokal waren bei einer großen Sportwoche täglich mehrere hundert Aktive auf der Sportanlage versammelt.
Meine Damen und Herren, ich habe mir vorgenommen, mich mit der Nennung von
verdienten Vereinsmitgliedern in meiner Rede zurückzuhalten. Die
Gefahr, einen der vielen Aktiven und Verantwortlichen des Vereins zu
vergessen, ist mir einfach zu groß. Aber einen Tag nach der
genannten Sportwoche, am 06.06.1983, verstarb völlig
überraschend unser damaliger 1. Vorsitzender Alfons Treiber, der
aus dem SSV hervorgegangen war . Unser Fons war der Initiator der
Verbreiterung des Gesamtvereins, hat die Gymnastik- die Schützen-,
die Tischtennis- und die Tennisabteilung maßgeblich mit ins
Leben gerufen, war großer Befürworter des großen
Vereinesheims und der Dreh- und Angelpunkt im gesamten Verein. Er hat
damals eine sehr große Lücke hinterlassen.
Erfolge und Wachstum ...
Die Voraussetzungen für sportlichen Erfolge und für eine gute
Zusammenarbeit im Verein waren jetzt gegeben und sie wurden auch
genutzt. Die 80er Jahre standen im Zeichen großer Erfolge der
Schützenabteilung. Die Tennisabteilung – u.a. auch
profitierend von dem Mitte der 80er Jahre aufkommenden Tennisboom
durch Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich – hatte so viele
Mitglieder, dass ein Aufnahmestopp verfügt werden musste und war
in allen Spielklassen erfolgreich vertreten.
Aus dem Jahr 1985 ist
hierzu noch zu erwähnen, dass auch die Tennisabteilung auf ihrem
Gelände für sich einen kleinen Unterstand mit
Versorgungstrakt gebaut hat, der ständig ausgebaut wurde und
heute es den Mitgliedern erlaubt, in kleinem Rahmen Veranstaltungen
durchzuführen und die Verpflegung zu sichern.
... aber auch Mißerfolge
Der SCL hat sich in dieser Zeit auch noch weiter zu verbreitern versucht.
Nachdem man zwei Kegelbahnen hatte, wurde eine Kegelabteilung
gegründet, die aber niemals zu Wettkämpfen angetreten ist.
Auch hat die Fußballabteilung Anfang der 80er Jahre versucht,
im Damenbereich Fuß zu fassen. Dies erfolgte jedoch nicht
systematisch und auch mit ungeeignetem Personal und war damit nach
wenigen Jahren zum Scheitern verurteilt.
Vielmehr schmerzte jedoch,
dass die sehr erfolgreiche Tischtennisabteilung, die auch in den
obersten Klassen Baden-Württembergs vertreten war, bereits seit
Mitte der 70er Jahre zu kränkeln begann und Mitte der 80er Jahre
aufgelöst werden musste.
Auch bedauerlich war, dass das
Kinderturnen nicht mehr angenommen wurde und somit die
Gymnastikabteilung heute nur noch aus der Damengymnastik besteht. Den
zwischenzeitlichen Versuchen, auch eine Männersparte
einzurichten, war ebenfalls kein dauerhafter Erfolg beschieden.
Besonders bedrohlich für den Verein war, dass im
Jugendfußballbereich, vor allem durch die Umorientierung der
Jugendlichen selbst, ein enormer Rückgang verzeichnet werden
musste, der fast zur Auflösung der Jugendfußballer geführt
hat.
Integration als neue Aufgabe
Seit Anfang der 90er Jahre haben sich die Jugendfußballer
glücklicherweise wieder konsolidiert und bis heute in
erheblichem Maße entwickelt. Innerhalb kürzester Zeit ist
es gelungen, wieder sämtliche Jugendmannschaften in allen
Altergruppen besetzen zu können.
Ganz wichtig ist in diesem
Zusammenhang die Integration ausländischer Jugendlicher. So
spielen viele deutsche und ausländische Jugendliche und Kinder
gemeinsam für den SCL Fußball.
Mit der Integration von
Menschen aus deutsch besiedelten Gebieten der ehemaligen Sowjetunion
kehrt der SCL heute in gewisser Weise wieder zu seinen eigentlichen
Wurzeln zurück. Wir sind überzeugt, auch diese
Integrationsleistung wird uns wieder gelingen.
Hat der Niedergang der Fußballjugend in den 80er Jahren auch etwas
damit zu tun, dass keiner mehr auf einem alten Sandplatz kicken
wollte, so ist der Wiederaufbau nicht nur auf die Leistung einzelner
Abteilungsmitglieder zurückzuführen, sondern auch – wir
haben wiederum der Stadt Ludwigsburg sehr zu danken – auf den Umbau
des alten Hartplatzes in ein modernes Kunstrasenfeld Ende der 90er
Jahre. Der Neubau eines Unterstandes auf dem Schützenplatz im
Jahr 2003 rundet aktuell die baulichen Maßnahmen des Vereins
ab.
Ein kleiner Blick in die Zukunft
Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich zum heutigen SC Ludwigsburg kommen und zum Abschluss noch einen kleinen Ausblick für die einzelnen Abteilungen wagen:
Die Gymnastikabteilung ist für uns als Vorstand die problemloseste Abteilung. Die Damen turnen montags in der Goetheturnhalle, pflegen die Kameradschaft untereinander in Form von Feiern und Ausflügen und beteiligen sich immer gerne an Veranstaltungen des Gesamtvereins.
Unsere Tennissportler leiden natürlich etwas unter dem derzeitigen Status des Tennissports, aber auch dort sind junge Mitglieder zu erkennen, die sich engagieren. Auch die Abteilungsführung liegt in neuen Händen. Was unsere Tennissportler brauchen, ist nach meiner Überzeugung wieder mal einen rothaarigen Jungen, der die Bälle ganz besonders gut übers Netz spielen kann.
Unsere Schützenabteilung befindet sich in Aufbruchstimmung, vor allem im Jugendbereich. Die Jugendlichen entdecken den Bogensport als eine großartige Betätigungsmöglichkeit und es ist auch ein attraktives, tolles Bild, wenn man die Wettkämpfe der Bogenschützen auf der schönen Bogenanlage im Osterholz betrachtet. In den anderen Schießsparten ist es sicherlich schwieriger, den Status zu verbessern, hier ist man immer noch auf auswärtige Schießplätze angewiesen. An diesem Zustand wird sich wohl auch in absehbarer Zeit leider nichts ändern können.
Bei den Fußballern kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Es
ist allen, und ich komme selbst ja auch aus der Fußballabteilung,
ein Dorn im Auge, dass unsere 1. Mannschaft mit irgendwelchen zweiten
Mannschaften in der untersten Klasse kicken muss und sich nicht –
wie früher – mit unseren Nachbarvereinen direkt messen kann.
Aber begründet aus der tollen Jugendarbeit mit über 100
Jugendlichen hat sich auch für den Aktivenbereich viel Positives
ergeben. Sowohl die 1. als auch die 2. Mannschaft sowie der
A-Jugend-Jahrgang hat keine Personalprobleme, im Gegenteil.
Die
vielen jungen Fußballer – und davon bin ich überzeugt –
werden im nächsten Jahr mit der 1. Mannschaft den Aufstieg
packen, denn es ist nicht nur Quantität, sondern auch Qualität
vorhanden, wie die erst vor zwei Wochen errungene Meisterschaft
unserer A-Junioren eindrucksvoll belegt. Natürlich sind wir uns
bewusst, dass eine so große Zahl Aktiver in allen Abteilungen
einen immensen finanziellen Aufwand und eine große Zahl an
Betreuern erfordert. Es ist völlig klar, dass so etwas nur mit
übergroßem Engagement gemanagt werden kann.
Der SCL hat seinen Platz in der Ludwigsburger Sportfamilie gefunden
Meine Damen und Herren, heute kann man sagen, dass der SCL die Ziele seiner
Gründerväter erreicht und sogar übertroffen hat.
Der
SCL hat konsequent den richtigen Weg in die Ludwigsburger
Sportfamilie gesucht und seinen Platz in ihr gefunden.
Nach
unserer Überzeugung – und damit meine ich für den
Vorstand, aber auch für alle Mitglieder zu sprechen – ist für
uns selbstverständlich, in freundschaftlicher Partnerschaft mit
den Nachbarvereinen zu leben und auch für die Belange der Stadt
Ludwigsburg jederzeit offen zu sein. Wir sind ein selbstbewusster
Verein, der – auf gleicher Augenhöhe versteht sich – für
alle Anliegen offen ist. Ich bin jedenfalls stolz darauf, Ihnen /
Euch diesen Verein heute präsentieren zu dürfen.
Unterstützung für den Erhalt des Bogenplatzes
Ich würde
mir jedoch nie verzeihen, wenn ich die Gelegenheit und die Chance
nicht nützen würde, an dieser Stelle noch einen Punkt
anzusprechen: Ich habe zuvor immer davon gesprochen, dass sich die
Abteilungen mit Sportanlagen und auch sonstigen Einrichtungen gut
versorgt haben.
Das stimmt, stimmt aber nicht ohne Einschränkung.
Ich habe auch mehrfach erwähnt, dass sich unsere
Schützensportler auf Asperger Gemarkung aufhalten. Dies stellt
für uns ein Riesenproblem dar, denn eine Lokalität
außerhalb von Ludwigsburg macht uns zum Spielball höherer
oder zumindest anderer Interessen.
Ich möchte jedenfalls Sie,
Herr Oberbürgermeister, und die Stadt Ludwigsburg ganz herzlich
bitten, die Situation unseres Vereins zwischen den Interessen
Aspergs, den Interessen der Bundesvermögensverwaltung und den
Anliegen der Stadt Ludwigsburg als äußerst kritisch zu
betrachten.
Die Schützen kämpften zuletzt mit profanen
Problemen, z.B., dass ihnen jeden Tag das Wasser abgestellt werden
kann, weil Asperg natürlich keine Notwendigkeit sieht, dieses
Schützenhaus zu versorgen. Sie leben auch ständig mit der
Ungewissheit, kein gesichertes Mietverhältnis zu haben und
notfalls alles abbrechen zu müssen. Sie müssen auch damit
rechnen, den Bogenplatz, den wir gerne erwerben würden, eines
Tages nicht mehr zu haben.
Wenn es nicht gelingt, die Entwicklung im
Osterholz so zu gestalten, dass dort geschossen werden kann und die
benötigten Räumlichkeiten verfügbar sind, ist das eine
Existenzfrage für die Abteilung und letztlich auch für den
Verein. Ich möchte Sie deshalb ganz herzlich um Ihre
Unterstützung und Ihre Hilfe bitten. Wir brauchen sie ganz
dringend.
Lassen Sie mich aber so nicht abschließen. Wir sind heute zum Feiern hier und so soll es auch bleiben. Der Sportclub Ludwigsburg - ein besonderer Verein! Ich hoffe, ich konnte es Ihnen in den letzten Minuten etwas näher bringen, warum das so ist und danke Ihnen/Euch ganz herzlich für die Aufmerksamkeit.
Dieter Ehlert
2. Vorsitzender des Sportclub Ludwigsburg
"FITA SPEZIAL" Freundschaftsturnier